„Das Schulfach Musik ist die Grundlage des Musiklebens, denn nur in der allgemein bildenden Schule werden alle Kinder und Jugendlichen erreicht. Ein professioneller schulischer Musikunterricht mit Hören, Improvisieren, Singen, Spielen, Tanzen, Diskutieren und Reflektieren ist qualifizierender Teil der Allgemeinbildung und damit unverzichtbar. Er bereitet Kinder und Jugendliche auf einen vielfältigen und lebenslangen Umgang mit Musik vor.“  
(Deutscher Musikrat: Resolution "Musik in Kindertagesstätte und Schule" 2011).

 

Qualitätskriterien inklusiven musikunterrichts in der grundschule

Eine empirische Studie zur unterrichtsgestaltung inklusiven und nicht-inklusiven musikunterrichts in der grundschule in bayern und südtirol basierend auf den qualitätskriterien von andreas helmke

 

musikpädagogik / Musikwissenschaft

Forschungsfrage

  1. Welche Qualitätskriterien weisen ein nicht-inklusiver sowie ein inklusiver Musikunterricht in der Grundschule auf?

  2. Gibt es Entsprechungen oder Differenzen? In welchen Bereichen sind die Differenzen gegebenenfalls zu finden? Bestätigen sich die Merkmale guten Unterrichts, wenn Musik inklusiv in der Grundschule unterrichtet wird oder müssen sie ergänzt oder ersetzt werden?

  3. Welche Qualitätskriterien sehen Musiklehrkräfte der Grundschule in Deutschland und Südtirol als charakteristisch für guten nicht-inklusiven wie inklusiven Musikunterricht?

Abstract

Die musikpädagogische Forschung hat sich bisher nur in wenigen Arbeiten mit der Frage nach gutem Musikunterricht für Regelklassen beschäftigt und dies überwiegend aus der Perspektive von Mittelstufen- und Oberstufenschüler des Gymnasiums (vgl. Heß 2011/Brunner 2008/Gaul 2009/Ziepert 2007). Dabei greifen die Studien Präferenzen und Vorlieben der am Musikunterricht Beteiligten auf. Ihre Ergebnisse liefern daher wichtige Erkenntnisse für die Auswahl und Planung der Unterrichtsinhalte. Dennoch bleiben in Bezug auf die Unterrichtsgestaltung und dem Bereich der Inklusion in der Grundschule noch viele Fragen offen. So ist noch gänzlich unklar, ob die von Helmke definierten Merkmale guten Unterrichts gleich bleiben oder sich verändern, wenn Musik in der Grundschule inklusiv unterrichtet wird.

Der gegenwärtige musikpädagogische Forschungs- bzw. Literaturstand gibt darauf noch keine Antwort, denn die aktuelle musikpädagogische Fachliteratur greift das Thema Inklusion zwar verstärkt aus verschiedenen Perspektiven auf, setzt dabei den Schwerpunkt aber mehr auf Praxisberichte (vgl. u.a. Wagner 2014/ Steffen-Wittek 2015) und methodische Hilfen. Fachwissenschaftliche Publikationen zu Fragen der Unterrichtsqualität von inklusivem Musikunterricht in der Grundschule bilden gegenwärtig ein eindeutiges Forschungsdesiderat. Der Blick richtet sich deshalb auch auf den Musikunterricht in Südtiroler Grundschulen, weil die jahrzehntelangen Erfahrungen der Lehrkräfte mit inklusivem Unterricht wichtige Impulse zur Beantwortung der Forschungsfragen bieten.

Zur Beantwortung der Fragestellungen nach den Qualitätskriterien eines gelingenden inklusiven Musikunterrichts der Grundschule wird wissenschaftsmethodisch eine Triangulation vorgenommen: Literaturanalyse – Qualitative Interviewstudie -  Unterrichtsbeobachtungen.

Dabei werden qualitative Leitfrageninterviews mit inklusiv wie nicht-inklusiv unterrichtenden Musiklehrkräften in Deutschland und Südtirol durchgeführt, um daraus die Qualitätskriterien des nicht-inklusiven Musikunterrichts wie des inklusiven Musikunterrichts in der Grundschule abzuleiten und zu vergleichen. Mit Hilfe der Unterrichtsbeobachtung sollen die Ergebnisse der qualitativen Erhebung zum einen ergänzt und verglichen werden, zum anderen werden im Sinne einer Handlungsforschung Handlungsmöglichkeiten inklusiver Musikunterrichtsgestaltung abgeleitet, mit dem Ziel, diese in der der musikpädagogischen Ausbildung von Grundschullehramtsstudierenden zu implementieren. Der direkte Vergleich mit der Situation in Südtirol erscheint dabei sinnvoll und notwendig, da die universitäre Ausbildung der Lehrkräfte das Thema Inklusion seit knapp vier Jahrzehnten intensiv behandelt.    

 

Ziele 

Ziel des Forschungsprojektes ist es, aus den Daten der qualitativen und quantitativen Erhebungen nicht-inklusiven und inklusiven Musikunterricht der Grundschule im Hinblick auf Qualitätsdimensionen zu charakterisieren, die anerkanntermaßen einen Einfluss auf den Lernerfolg der Schüler ausüben. Dabei wird untersucht, ob es Unterschiede gibt und in welchen Bereichen diese auftreten.

Die Ergebnisse sollen in erster Linie der Weiter- und Ausbildung der fachlichen Kompetenz der Musiklehrkräfte dienen hinsichtlich

  • der inklusiven Gestaltung von Musikunterricht in der Grundschule (Auswahl von Methoden, Lehr- und Lernmittel, Differenzierung und Diagnose),
  • der Erziehung, der möglichen Zusammenarbeit in einem Lehrerteam sowie für die Beratung

Das Forschungsprojekt bietet zugleich Hilfen für

  •  die universitäre Ausbildung der Lehramtsstudierenden im Fach Musik,
  •  fachfremd musikunterrichtenden Lehrkräfte,
  •  ausgebildeten Musiklehrkräfte der Grundschule, die bereits im Dienst sind und mit der inklusiven Arbeit neu beginnen
  •  sowie für die Fortbildung von bereits inklusiv unterrichtenden Musiklehrkräften.