„Ist ein inklusives Erziehungs- und Bildungssystem selbstredend ein gerechtes System? Ist Inklusion gar Ausdruck von Bildungsgerechtigkeit? Eine Antwort auf diese Fragen muss zurückhaltend ausfallen. So sind Inklusion und Bildungsgerechtigkeit gleichermaßen schillernde wie theoretisch nur vorläufig geklärte Begrifflichkeiten und die Zusammenhänge zwischen beiden Aspekten hochkomplex.“

(Simone Seitz, Nina-Kathrin Finnern, Natascha Korff & Katja Scheidt, Inklusiv gleich gerecht? Inklusion und Bildungsgerechtigkeit; Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2012, 9)


"Inklusion und Bildungsgerechtigkeit"

Lehrstuhl für bildungsphilosophie und systemische pädagogik

Abstract

Das Projekt zielt darauf ab, die moralische Dimension der Inklusion zu untersuchen und zu erörtern, indem Inklusion aus einer gerechtigkeitstheoretischen Perspektive heraus thematisiert wird. Dementsprechend lässt sich die übergreifende Fragestellung des Projekts wie folgt auf dem Punkt bringen: Inwiefern ist Inklusion ein Gebot von Bildungsgerechtigkeit, und inwiefern und ggf. wann kann Inklusion gegen Normen der Bildungsgerechtigkeit verstoßen?

Die Relevanz und auch die Dringlichkeit dieser Fragestellung sind vor allem dadurch bedingt, dass in der fachlichen, in der bildungspolitischen, und in der breiten öffentlichen Diskussion eine Vorstellung von Bildungsgerechtigkeit als Vermeidung von Ausgrenzung und Diskriminierung im Widerspruch zum weit verbreiteten Verständnis von Bildungsgerechtigkeit als Leistungsgerechtigkeit steht. So ist von vielen Seiten die Befürchtung in der Öffentlichkeit zu vernehmen, dass die Inklusion sich negativ auf die Entwicklung der Leistungsfähigkeiten von vielen Kindern auswirken und deshalb gegen die Grundnorm von (Bildung-) Gerechtigkeit verstoßen würde. 

Ziele / Verwertungsmöglichkeiten

Das übergreifende Ziel des Projekts besteht darin, normative Leitprinzipien eines gerechten inklusiven Schulbildungswesens herauszuarbeiten. Dabei ist es zu berücksichtigen, dass – wie im Gesamtkonzept des Projektverbundes bereits angedeutet – Inklusion als ein Reformprogramm für tiefgreifende Umgestaltung des gesamten Schulbildungswesens zu verstehen ist. Dadurch unterscheidet sich Inklusion von Integration, welche sich auf die Einschließung von bestimmten Schülergruppen in das bestehende Schulsystem beschränkt, das ansonsten im Wesentlichen unverändert bleibt.